06 August

Zwischen FDJ und Ferienlager sehnten sich manche Jugendliche danach, aus dem systemkonformen Leben auszubrechen. Die alternativen Jugendkulturen in der DDR schafften sich gemeinsam ein Stück Freiraum um ihre Individualität auszuleben.

Eine weit verbreitete Bewegung waren die Blueser oder auch Kunden, die der westlichen Hippie-Generation nahe standen.

Die Bezeichnung Kunde kommt von einem alten Begriff für einen umherziehenden Handwerker. So waren auch die Jugendlichen der Kundenszene gerne per Trampen unterwegs, um sich beispielsweise zu Konzerten zu treffen.

Gemeinsam war ihnen die Liebe zu Musikgenres wie Blues, Folk und Rock, bekanntgemacht durch Künstler wie den Rolling Stones, Bob Dylan, Joe Cocker und Jimmie Hendrix.

Parka, Jeans, Klettis und Hirschbeutel - das komplette Programm Credits: By Schwijker (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Parka, Jeans, Klettis und Hirschbeutel – das komplette Programm
Credits: By Schwijker (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Die „Uniform“ der Kunden

Man erkannte sie sogleich an ihrer charakteristischen Kleidung – und die Jugendlichen sich auch untereinander, denn natürlich war ihr Aussehen auch Identifizierungsmerkmal.

Die Jeans war ein Muss, und zwar unbedingt eine Levi’s 501, die man sich über Kontakte aus dem Westen besorgte. Wenn die Jeans nach ein paar Jahren anfing kaputtzugehen, war wegschmeißen keine Option. Stattdessen nähte man sich aus alten Fetzen eine neue Jeans zusammen.

Obenherum wurde gerne das sogenannte Fleischerhemd getragen und dazu ein grüner Parka. An den Füßen sah man häufig die kultigen Kletterschuhe, auch kurz „Klettis“ genannt, oder Jesuslatschen, die sich im Sommer größter Beliebtheit erfreuten.

Die Männer trugen zudem gerne – √† la John Lennon – lange Haare, einen Bart, und wer konnte, auch noch eine Nickelbrille. Ein typisches Accessoire war außerdem der Hirschbeutel, der aus kitschigen Wandteppichen zusammengenäht wurde.

 

Frische Bluesmusik aus der DDR

Natürlich blieb es nicht dabei, dass man westliche Bands hörte, sondern auch viele Musiker des Ostens ließen sich von den neuen Genres inspirieren.

So wurden Bands wie die Sputniks, Butlers, Diana Show Quartett oder Engerling zu Vorreitern dieser Musikbewegung in der DDR.

Die Band Engerlin tritt noch heute auf. Credits: By Sastognuti (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Die Band Engerlin tritt noch heute auf.
Credits: By Sastognuti (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Doch die Führungsriege schielte misstrauisch auf die Blueser herunter. Man wollte das Treiben dieser „Gammler“, wie die SED die Jugendlichen bezeichnete, unterbinden.

So ergriff man 1965 die Krawalle bei einem Konzert der Rolling Stones in Westberlin als Anlass, die Bewegung zu verbieten. Gegen zahlreiche Bands dieser Musikrichtung, zum Beispiel auch gegen die Butlers und Sputniks, wurde Spielverbot verhängt. Als Reaktion auf das Verbot kam es am 31. Oktober 1965 zur Leipziger „Beatdemo“, die jedoch gewaltsam aufgelöst wurde.

Eine Nische, ihre Musik weiterhin zu hören, bot der Jugendkultur bis Mitte der 80er Jahre die Kirche. Diese organisierte sogenannte Blues-Messen, bei der im Gottesdienst Blues-Musik gespielt wurde.

Heute sind einige der damaligen Bluesbands wieder aktiv. Die „Kunden“ von damals gibt es heute nicht mehr, doch dafür sind nun neue Jugendkulturen an der Reihe, die die alte Generation abgelöst haben.

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Eine Antwort zu “Jugendkultur in der DDR – Die Blueserszene”

  1. […] die Kirche bot den Punks einen gewissen Freiraum. Ähnlich wie für die Jugendbewegung der Blueser waren die kirchlichen Veranstaltungen häufig die einzige Möglichkeit, ihre Musik […]

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