02 September

Für viele ist es eine der schönsten Kindheitserinnerungen: Die alljährliche Reise in das Ferienlager in der DDR.

Credits: RIA Novosti archive, image #456381 / Rudolf Kucherov / CC-BY-SA 3.0 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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Für gerade einmal 20 Mark war man dabei, An- und Abreise, Verpflegung und Programm mit inbegriffen. Der Tagesablauf war geprägt von Ritualen, doch abseits der geplanten Aktivitäten gab es Zeit für Spielen, Baden und auch mal die erste Romanze.

Die meisten Kinder fuhren in die Ferienlager, die die Betriebe der Mütter oder Väter organisierten. Klassischerweise ging die Reise in die Urlaubsregionen der Republik, zum Beispiel an die Ostsee, die Müritz oder in die Sächsische Schweiz.

Manche Kinder bekamen auch die Gelegenheit, mit in die Nachbarländer der Sowjetunion zu fahren. Ferien in Polen oder Tschechien mit Kindern aus der ganzen DDR machen zu können, war ein aufregendes Erlebnis!

Die Klassenbesten fuhren in die Pionierrepublik

Credits: RIA Novosti archive, image #171678 / Vladimir Fedorenko / CC-BY-SA 3.0 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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Für die besonders eifrigen Schüler gab es als Auszeichnung einen Aufenthalt in der Pionierrepublik Wilhelm Pieck in Altenhof am Werbellinsee. Dort hatte man ein regelrechtes Dorf angelegt, mit CafĂ©s, Kino, aber natürlich auch einer Schule, in der morgens die Klassenbesten Unterricht erhielten.

Großes Vorbild für die ostdeutsche Pionierrepublik war natürlich das Pionierlager Artek bei Hursuf auf der Krim. Dort ging es international zu, mit Teilnehmern aus 60 verschiedenen Nationen. Ein Traum für viele Kinder, einmal dorthin fahren zu dürfen.

Auch die Ferienlager waren ideologisch geprägt

In den Ferienlagern konnte nicht immer das gemacht werden, was man wollte – hier prägten feste Rituale den Tagesablauf. Morgens legte man das Pionierhalstuch an und frühstückte gemeinsam, und auch der Fahnenappell und das Singen von Pionierliedern waren Pflichtprogramm.

Die Ferienlager unterstanden schließlich auch immer dem „Ministerium für Volksbildung der DDR“. Doch ab den 80er Jahre wurde der ideologische Schwerpunkt der Ferienlager zurückgenommen.

Die besten Erinnerungen – das ausgelassene Spielen

Die Unterkünfte waren meist einfach, mit Baracken zum Übernachten und sanitären Anlagen, die oft einer dringenden Überholung bedurften. Die Kinder störte das allerdings nicht – es wurde ausgelassen getobt und gespielt. Zwischendurch gab es kalten Pfefferminztee zur Erfrischung!

Credits: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0728-021 / Uhlemann, Thomas / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

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Ein Kult-Ereignis, das bei keinem Ferienlageraufenthalt fehlen durfte, war das „Neptun-Fest“. Dabei wurden einige „Auserwählte“ von den Häschern gejagt und schließlich der Neptun-Taufe unterzogen.

Dazu mussten sie einen „Trank“ herunterstürzen (der meist aus bunt gemischten Zutaten wie Maggi und Limo bestand) und wurden anschließend zur Taufe in das Wasser befördert.

Auch an Nachtwanderungen, die erste Disko und einen heimlichen Kuss können sich viele noch erinnern.

Die schönen Erinnerungen von damals motivierten viele Kinder von früher dazu, später als Betreuer mitzufahren. Auch Kultfilme wie „Sieben Sommersprossen“ griffen das beliebte Thema auf und lassen die Erinnerungen an die Ferienlagerzeit wieder aufleben.

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