10 September
Punk in einer Diskussion auf dem Alexanderplatz Credits: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0313-318 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Punk in einer Diskussion auf dem Alexanderplatz
Credits: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0313-318 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Radikal, anarchistisch, unangepasst – Punks hatten es in der DDR nicht leicht. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Jugendbewegung der Blueser wurden die Punks nie toleriert.

Ihr extremes Aussehen mit zerrissenen Klamotten und grellen Haarfarben machte misstrauisch.

Die ersten Punk-Gruppen bildeten sich Mitte der 70er Jahre in Großbritannien. Ihre Bewegung breitete sich auch in der BRD aus und schwappte von dort in die DDR über.

Immer nur rumhängen und pöbeln?

Ihr auffallendes Aussehen und ihr provozierendes Verhalten stießen nicht gerade auf Sympathie seitens der Bevölkerung – doch das wollten die Punks auch gar nicht. Punk sein hieß gegen den breiten Strom zu schwimmen.

In den Punk-Hochburgen Ost-Berlin, Leipzig und Halle hing man zusammen in Gruppen ab, rauchte, trank und diskutierte. Die Punks teilten miteinander eine Ablehnung gegenüber der positiven Zukunftsvision des Sozialismus. Ihr Aussehen und Verhalten war Protest gegen die alltägliche Konformität und das Kleinbürgertum.

Die musikalischen Vorbilder der Punks waren Bands wie die Sex Pistols oder The Slits. Musikgruppen der DDR wie Schleimkeim, Müllstation und Wutanfall eiferten den britischen Punk-Bands nach. In ihren Texten brachten sie ihre Wut über ihr Gefühl von Perspektivlosigkeit zum Ausdruck.

Die Sex Pistols bei einem Auftritt 1977 Credits: By Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 - negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 928-9665 (Nationaal Archief) [CC-BY-SA-3.0-nl], via Wikimedia Commons

Die Sex Pistols bei einem Auftritt 1977
Credits: By Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 – negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 928-9665 (Nationaal Archief) [CC-BY-SA-3.0-nl], via Wikimedia Commons

Eine Abspaltung von der aggressiven und schroffen Punk-Musik war der Art-Punk. Ihre Vertreter waren unter anderem Rosa Extra und Zwitschermaschine. Ihre Texte waren ebenso politisch, aber poetischer und ihre Musik weniger hart.

Kriminalisiert und drangsaliert

Nicht genug, dass die Punks schon mit der DDR und dem Sozialismus nichts zu tun haben wollten – aber eine Jugendgruppe, die überhaupt keinen Staat anerkennen wollte? Ein Albtraum! So jedenfalls sah es die DDR-Obrigkeit.

Dass die meisten Punks einfach nur raus aus dem Einheitsbrei und nicht gleich das Ende aller Staatsformen herbeiführen wollten, ließ man nicht gelten – die circa 900 Punks, die es Mitte der 80er Jahre gab, wurden als Gefahr für den Staat angesehen.

Folglich setzte man alles daran, den Punks das Punk-Sein auszutreiben – oder sie wenigstens aus der DDR herauszubekommen. Das erreichte man mit Repression und Drangsalieren: Wer nachts nach Hause lief, musste damit rechnen, mehrmals von der Polizei kontrolliert zu werden. Studieren zu dürfen, konnte man sich als Punk abschminken.

Einige wurden auf Grund von „Rowdytum“ oder „Diskriminierung der sozialistischen Staatsordnung“ wiederholt inhaftiert, andere zog man frühzeitig zur Armee ein. Manche der Punks verließen die DDR schließlich freiwillig.

Kaum Freiraum für Punks

Neben dem harten Vorgehen gegen die Punks, wurde gleichzeitig versucht, die Bewegung zu unterwandern. Dazu schleuste die Stasi zahlreiche Spitzel unter die Punk-Bands. Illegale Konzerte wurden so schnell aufgelöst, bevor sie richtig angefangen hatten, da bereits Informationen darüber weitergegeben worden waren.

Einzig die Kirche bot den Punks einen gewissen Freiraum. Ähnlich wie für die Jugendbewegung der Blueser waren die kirchlichen Veranstaltungen häufig die einzige Möglichkeit, ihre Musik öffentlich spielen zu können.

Erst gegen Ende der 80er Jahre gab es eine Lockerung für die Punk-Szene: Endlich konnten einige ihrer Musiker sogar Tonträger herausgeben. Doch wie es mit den Punks in der DDR weitergegangen wäre, konnte keiner mehr sagen – 1989 wandte sich auf einmal auch die vermeintlich so konforme Bevölkerung gegen den Staat.

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