16 Oktober

Na, was brutzelt da auf dem Grillspieß? Nicht etwa ein Brathähnchen, sondern... Credits: By Tomas Castelazo (Own work) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Na, was brutzelt da auf dem Grillspieß? Nicht etwa ein Brathähnchen, sondern…
Credits: By Tomas Castelazo (Own work) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Broiler, Dederon, Rennpappe? Wer nicht in der DDR gelebt hat, versteht hier wahrscheinlich nur Bahnhof!

Die DDR hat ihre ganz eigenen Wortschöpfungen hervorgebracht – teils als gewollte Abkehr zum englischen Pendant, teils musste schlichtweg ein neues Wort für ein neues Produkt gefunden werden.

Und manchmal bewiesen die Ostdeutschen auch wunderbar sarkastischen Humor – seht selbst in unserem kleinen ABC der DDR-Wortschöpfungen.

A wie … Arbeiterschließfach

Damit sind keine Schließfächer im Umkleideraum gemeint, sondern eine ironische Bezeichnung für die Plattenbauten. In den serienmäßig gefertigten Kastenbauten ließ sich eine Arbeiterfamilie neben der nächsten unterbringen.

B wie … Broiler

DDR-Unerfahrene denken vielleicht an einen Tippfehler beim Wort Boiler. Nur der Eingeweihte versteht, dass mit Broiler die leckersten Brathähnchen gemeint sind.

.. oder auch Bückware

Das Wort „Bückware“ darf in dieser Liste auf keinen Fall fehlen. Da manche Produkte in der DDR rar waren, fand man sie in den Regalen der Supermärkte nicht. Für Auserwählte mit guten Beziehungen zum Verkäufer bückte sich dieser aber schon mal, griff unter die Theke – und zauberte die Bückware hervor.

C wie … Campingbeutel

Der Campingbeutel war nicht irgendein Rucksack, oh nein, ein Campingbeutel hatte eine Schnalle in der Mitte, einen Boden aus Plastik oder Leder und ein kariertes oder gestreiftes Muster!

D wie … Dederon

Dederon stand eigentlich für Perlon, ein pflegeleichtes Material, das gerne für Schürzen und Beutel verwendet wurde. Da Perlon aber ein urheberrechtlich geschützter Name war, musste fix ein Neuer her. So entstand das Kunstwort Dederon, eine Zusammensetzung aus D(e)D(e)R und -on.

Der geniale Dederon-Beutel besticht noch heute durch seine Tragfähigkeit und Dehnbarkeit.

E wie … Erichs Lampenladen

Aus dem Foyer des Palast der Republik strahlte und funkelte es so beeindruckend, dass man glatt hätte glauben können, der gute Erich Honecker wäre einer anderen Beschäftigung nachgegangen als der eines Staatschefs.

F wie … Feierabendheim

In einem Feierabendheim begingen die Senioren ihren Ruhestand. Ein Feierabendheim klingt auf jeden Fall schöner als Altersheim, oder?

G wie … Grilletta

„Einen Hamburger, bitte.“ – das war dann doch zu amerikanisch! Echte Ostdeutsche bestellten lieber eine saftige Grilletta. Den ganzen Schickimicki-Kram, der beim Hamburger noch zwischen den zwei Scheiben lag, hatte die Grilletta gar nicht nötig. Zwei normale Brötchenhälften, Schweinefleisch rein und Ketchup oder Chutney drauf, und fertig war die Grilletta!

H wie … Held der Arbeit

Ein Held der Arbeit wurde jemand, der „besondere Verdienste um den Aufbau und Sieg des Sozialismus“ vorzeigen konnte. Dass der Begriff auch gerne mal ironisch benutzt wird, hatte die Partei so sicherlich nicht geplant.

Daraus haben sich kleine Gags entwickelt, wie das „Held der Arbeit“-Duschgel, dank dem auch morgens der Bequemste als Held in den Tag startet.

Aus: Wikipedia/Public domain

Aus: Wikipedia/Public domain

I wie … Intershop

Die Intershops gab es erst ab 1962 in der DDR. Sie richteten sich hauptsächlich an die Besucher der DDR aus dem Ausland, die in diesen Shops in ihrer Währung bezahlen konnten. Einzig mit Ost-Mark konnte man in den Intershops nichts erwerben, denn die Läden sollten ja die ausländische Währung, die im Umlauf war, abschöpfen.

Die Intershops verkauften hauptsächlich Zigaretten und Alkohol, aber auch Produkte, die man ansonsten in der DDR nicht bekam. Dementsprechend hoch war der Andrang, als die Ostdeutschen in der DDR ab 1974 auch Westmark besitzen durften.

J wie … Jahresendprämie

Im Westen sagte man Weihnachtsgeld, doch in der DDR mischte sich Staat und Religion bekanntlich nicht. So kam es zu dieser sehr korrekten, wenngleich etwas trockenen, Wortschöpfung.

K wie … Kaufhalle

Was dem heutigen Deutschen sein Supermarkt ist, war dem DDR-Bürger die Kaufhalle. Diese Ost-Kreation setzte sich schnell in der breiten Masse durch und wird von einigen Wenigen sogar noch heute benutzt.

… oder auch Ketwurst

Wie auch die Grilletta war die Ketwurst eine Erfindung, um die hungrigen Massen rund um Berlin zufriedenzustellen. Aber auch an anderen Orten erfreute man sich gerne an der simplen, aber leckeren Kreation: Wurst  + Ketchup + Brötchen = Ketwurst

Fleißig bei der Arbeit, und Spaß scheint es auch zu machen! Credits: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0802-006 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Fleißig bei der Arbeit!
Credits: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0802-006 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

L wie … Lager für Arbeit und Erholung

Arbeit und Erholung – das geht zusammen? Für Jugendliche ab 14 Jahren gab es in der DDR die Gelegenheit, sich in den Sommerferien etwas Taschengeld zu verdienen. Für die Verpflegung und Unterkunft kamen die Betriebe auf, außerdem wurde die Arbeit bezahlt.

Meist fuhr man auf’s Land, um dort zu ernten oder zu pflanzen. Nachmittags gab es dann Freizeitangebote und Ausflüge für die Jugendlichen.

M wie … Malimo

Malimo war ein Textilstoff, ein Nähwirkverfahren und ein Markenname – ganz schön viel auf einmal. Passend dazu war Malimo auch wirklich ein echter Allrounder und fand sich bei Teppichen, Geschirrtüchern, Staublappen und vielem mehr wieder. Seinen Namen verdankt Malimo seinem Erfinder Heinrich Mauersberger aus Limbach-Oberfrohna.

N wie … Nietenhosen

Wie auch der Hamburger klang die Jeans stark nach Kapitalismus und Westen – unverfänglicher war da die neue Bezeichnung als Nietenhose. Die Blueser hüteten die kostbaren Stücke wie ihren Augapfel, denn es war gar nicht so leicht, an sie heranzukommen. Erst später, in den 80er Jahren, kam die Jeans dann auch in der Mitte der DDR-Gesellschaft an.

O wie … Ochsenkopfantenne

Super, wenn man eine Ochsenkopfantenne auf dem Dach hatte! Dank dieser Antennen konnte man auch im Süden der DDR Westfernsehen empfangen. Die charakteristische Form der Antenne ließ Passanten leicht erkennen, wer heute Abend ein alternatives Fernsehprogramm sehen würde. Ihren Namen hat die Antenne von einem Berg im Fichtelgebirge, auf dem die ARD einen ihrer Sendemasten aufgestellt hatte.

P wie … Polilux

Im Westen gab es den Overheadprojektor, im Osten hieß er Polilux. Das war eigentlich nur ein Markenname, erfunden von einem der Hersteller des Unternehmens. Doch da der Polilux der einzige Tageslichtprojektor war, den man in der DDR bekommen konnte, blieb man gleich beim Markennamen.

Credits: By Unabhängiger Wikipedianer„Trabi 1990“. Lizenziert unter " href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Credits: By Unabhängiger Wikipedianer, „Trabi 1990“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

R wie … Rennpappe

„Wie viele Arbeiter braucht man, um einen Trabi zu bauen? Zwei: Einer faltet, einer klebt.“ Der Trabi musste sich in seiner Zeit so einiges anhören!

Über kein anderes Produkt der DDR gab es wohl so viele Witze, dabei wartete man gleichzeitig lange darauf, dass einem der Wunsch von einem Auto überhaupt erfüllt wurde. Den Spitznamen als „Rennpappe“ bekam der Trabi aufgrund seines etwas instabil wirkenden Materials.

S wie … SERO

Sero-Annahmestellen gab es überall. Dort wurden Altstoffe bzw. Sekundärrohstoffe (daher auch der Name Sero) wie Altpapier, Glas und Textilien aufgekauft. Die Pionierorganisation Ernst Thälmann nutzte das System, um so Geld für Hilfsorganisationen zu sammeln. An Pioniernachmittagen zogen Kinder mit Bollerwagen los und fragten an den Haustüren nach Altstoffen.

T wie … Tal der Ahnungslosen

Im Tal der Ahnungslosen waren diejenigen, bei denen auch die Ochsenkopfantenne nichts mehr half. In der Region um Dresden herum war es schwierig, das Westfernsehen zu empfangen. So bekam diese Ecke der DDR manchmal vom Weltgeschehen jenseits der Mauer deutlich weniger mit.

U wie … urst

„Ein urster Kunde ist das!“ – So wie auch heutzutage kann die Jugendsprache nur die Jugend selbst verstehen. Urst war jedenfalls flexibel einsetzbar – besonders beliebt war die Variante „urst schau“.

VEB Carl Zeiss Jena Credits: Bundesarchiv, Bild 183-T0709-429 / Franke, Klaus / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

VEB Carl Zeiss Jena
Credits: Bundesarchiv, Bild 183-T0709-429 / Franke, Klaus / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

V wie … VEB

Der Volkseigene Betrieb war eine eigene Rechtsform der DDR. Dabei bedeutete „volkseigen“, dass das Unternehmen von Privatbesitz in Staatsbesitz wechselte. Diese Wirtschaftsform war eine wichtige Basis für die Planwirtschaft der DDR.

Um die Versorgung des Staates gemäß Plan zu unterstützen, mussten manche VEB nach der Übernahme sogar ihre Produktionsausrichtung ändern. Nach der Wiedervereinigung wurden einige Betriebe reprivatisiert.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind noch heute viele von ihnen erfolgreich aktiv, z.B. Florena, fit, Kathi, Persil oder Bautz’ner. Über die Erfolgsgeschichten der ehemaligen VEB erfahrt ihr auch mehr in unserem Blog!

W wie … Würzfleisch

Würzfleisch bekommt man noch immer in vielen Gaststätten als Gericht serviert. Im Prinzip ein Ragout fin, also Geschnetzeltes in sämiger Soße, darf es sich doch nicht so nennen, da es nicht mit Kalbfleisch zubereitet wird, sondern mit Schweinefleisch oder Geflügel.

Z wie … Zellstofftaschentuch

Kurz nur „Zellstoff“ genannt, ersetzte es das „Tempo“-Taschentuch der BRD oder das „Kleenex“ der USA.

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